PERFORMANCE I "WHERE RESISTANCE DIES"

PERFORMANCE I "WHERE RESISTANCE DIES"
Foto: Rabea Sene

Eine Dystopie, in der die Menschen sich den Problemen ihrer Zeit, ihren Kämpfen, ihren Wunden, ihren Ängsten nicht mehr stellen können, sondern diese nur noch vergessen wollen, so lang, bis sie nicht mal mehr wissen, dass es eine Welt davor gab, eine Welt, in der man seinen Geist nicht benebeln musste. Sie vergessen, dass das Wichtigste zum Leben, zum Überleben eine Hoffnung auf Veränderung, auf einen Wandel hin zu etwas Neuem, Konstruktivem ist. Was bleibt, ist ein Rausch, eine Wiederholungsschleife des Dranges, der Sucht nach Vergessen, nach Nähe, nach Zärtlichkeit, nach Liebe, und anschließend ein Absturz. Ein kurzer Moment der Realisation, eine Welt, die sich einem eröffnet, wie sie ist. Man steht ihr jedoch hilflos, ohne Schutz, entgegen. Und das Einzige, was im Kopf bleibt, ist, wieder in einen Zustand des Vergessens hineinzukommen, sodass die Schleife wieder von vorne beginnt.

Überforderung, Rausch, Absturz.

Die Performance »where resistance dies« stellt sich der Frage, ob in der modernen westlichen Welt der multiplen Krisen man zunehmend auf eine solche dystopische Gesellschaft zugeht. Viele Menschen fühlen sich angesichts der Gewalt, der Krisen und der Machtlosigkeit, mit der sie in die Welt schauen und die sie in der Welt sehen, überfordert. Ein Coping-Mechanismus setzt ein, der ihnen sagt, sich nicht mehr mit diesen Themen auseinandersetzen zu wollen, nicht mehr über Politik reden zu wollen, nicht mehr die schwierigen und harten Dialoge führen zu wollen, nicht mehr zu streiten, sich nicht mehr den Bildern der Gewalt und des Krieges auszusetzen, die tagtäglich durch die Welt gehen. Man lenkt sich ab. Man lenkt sich ab mit Routinen, mit Aufgaben, und mit Drogen. Schlussendlich findet jeder seine Droge, die bei ihm dafür sorgt, alles endlich einmal vergessen zu können. Und auch wenn dieser Wunsch, alles auszuschalten, alle Gedanken zu bremsen, alles einmal zu vergessen, mehr als verständlich ist, stellt sich die Frage: Verliert eine Gesellschaft damit den Kampf gegen das Unrecht, gegen die Gewalt, gegen den Terror? Was, wenn irgendwann das Aufbegehren gegen das Unrecht dem Vergessen durch den Rausch einer Droge unterliegt? Wenn die Möglichkeit besteht, sich immer in eine heile Welt zu flüchten, ist das nicht irgendwann verlockender, als auf die Straße zu gehen, zu protestieren, sich stark zu machen, sich aufzubäumen gegen das Unrecht?

Die Performer*innen durchleben live einen rauschähnlichen Zustand, ein fast utopischer Ort wird erschaffen, um im nächsten Moment wieder zusammenzubrechen, das Ende des Rausches, eine Realisation, über die Gewalt der Welt, wieder ein Rausch, wieder Vergessen. Diese drei Phasen greift die Performance auf, wobei die Zuschauer*innen hautnah in die einzelnen Gefühle in den verschiedenen Stadien mitgenommen werden.

Musikalisch wird die Performance von Live-Modular-Techno des Musikers Paul Tebbert begleitet. Die sich immer weiter in sich selbst schleifende rhythmische Musik von Paul, die sich mit dem Empfinden auf einem Drogenrausch auf musikalischer Ebene vergleichen lässt, unterstreicht die verschiedenen Fassen der Performance.


Das Projekt findet in Kooperation mit Ferdinand Waltz statt:

*2005 in Berlin. 2020/2021 Stipendium »Masterclass« am ZKM. Seit 2019 eigene Videoarbeiten und Performances u.a. »Schatten« 2021, »Atem« 2024, »narrow spaces« 2024 Haus der Produktionen (Nominierung »Tanztreffen der Jugend« 2025 Berliner Festspiele), »dansatores« 2025 Tollhaus Karlsruhe, »davor« 2025 Radialsystem Berlin. Tänzer in Performances u.a. »Wir sind alle fellow traveller« 2023 ZKM. Teilnahme an Workshops und Open Studios u.a. bei Sasha Waltz & Guests 2022 Radialsystem, David Zambrano »Flying low«, Thi-Mai Nguyen »I see you« Tic Tac Art Center Brüssel und Nicola Mascia »Contact Contemporary« Tanzfabrik Berlin. Seit 2022 Performer im ensemble ben rentz, in den Projekten: »ruminate« 2022 Tollhaus Karlsruhe (Einladung zum Tanztreffen der Jugend 2023, Berliner Festspielhaus), »crying water« 2022 Marktplatz Karlsruhe, »braeburn« 2023 ZKM Pavillon, »transitions - circuit 1« 2023 Fleischmarkthalle Karlsruhe, »figuration« 2024 Franz Bernhard Haus Karlsruhe, »wunden« 2025 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Rotunde der Orangerie.